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Rangordnung - Was ist das eigentlich ?

Dieses Thema im Forum "Basiswissen - Hund" wurde erstellt von Kailyn, 17. Mai 2014.

Status des Themas:
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  1. Kailyn

    Kailyn Stammuser

    Beiträge:
    3.133
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    Berlin
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    Pogo, Pitbull-Herder(8)
    Zweiter Hund:
    Sheeva, Japanspitz-Husky(9)
    Ich hatte in den letzten Tagen ein sehr anregendes, inspirierendes Gespräch mit einer Userin über die Frage, was Rangordnung überhaupt bedeutet. Die Erfahrungen daraus würde ich gerne mit euch teilen.
    Da die Rangordnung immer wieder Thema ist und sich an diesem Wort aufgehangen wird, versuche ich mal zu erklären, wie eine Rangordnung bei Hunden tatsächlich funktioniert und wie man dieses Wort im richtigen Kontext benutzen kann.

    In Hundegruppen unterscheidet man in der Regel zwei verschiedene Rangordnungssysteme, die unabhängig voneinander funktionieren. Zunächst einmal muss man sich bewusst machen, dass wir unsere Haushunde in für sie relativ unnatürlichen Verhältnissen halten. Wo sie in der Natur (zum Beispiel Straßenhunde) die Möglichkeit zur Konfliktvermeidung und Abwanderung haben, sind sie in einem Haushalt mit Menschen einer Lebenssituation ausgesetzt, der sie sich nicht entziehen können. Ohne uns wären sie in dieser Situation nicht überlebensfähig, sie können keine Futterdosen öffnen, keine Schlösser aufmachen, den Wasserhahn nicht aufdrehen. In solchen Lebensumständen leben sie praktisch in einer ähnlichen Situation, wie Junghunde, die noch von ihren Eltern abhängig sind. Und tatsächlich hat eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie ergeben, dass Hunde sich zu ihren Menschen verhalten, wie Kinder zu ihren Eltern (mal ganz davon abgesehen, das Hunde nun schon seit mehreren Jahrzehnten charakterlich zur Infantilität gezüchtet werden und sich viele Hunde heutzutage in einer Art Dauerkindheit befinden).
    In Anbetracht dieser Verhältnisse ist es nicht unsere Aufgabe, dem Hund zu zeigen, wer der "Boss" ist, sondern in erster Linie eine Vertrauensbasis zu schaffen, wie es Elterntiere auch tun würden. Auch in natürlichen Verhältnissen leben Hunde ähnlich wie wilde Wölfe - das Muttertier zieht ihre Jungen groß und diese bilden zusammen meist über einen längeren Zeitraum ein Rudel, innerhalb dessen die Mutter ganz oben in der Rangordnung steht, weil sie die Mutter ist. Sie hat sich ihre Position nicht erkämpfen müssen, sondern sie wurde von Beginn an akzeptiert, weil sie die älteste, erfahrendste ist und halt eben eine gute Mama. Auch beim Aufeinandertreffen mit fremden, adulten Tieren ordnen sich junge Hunde meist von ganz alleine unter. Nicht, weil sie irgendwie dominiert werden, sondern weil sie instinktiv den älteren Tieren vertrauen und ihren höheren Rang durch deren Erfahrenheit und Alter von ganz alleine anerkennen.
    Diese "formale" Rangordnung entsteht durch ein reines Vertrauensverhältnis. Sie ist eine Rangordnung, die, einmal aufgestellt, nicht so leicht kippt, sofern der Ranghöchste seinen Pflichten nachkommt: Die Pflicht, die Gruppe zu schützen, souverän zu führen, Gefahren abzuwenden, sprich: Sich zu kümmern, berechenbar und liebevoll zu sein und Sicherheit zu geben. Sie ist das Ergebnis eines Vertrauensverhältnisses zwischen einem "Elterntier" und dessen "Nachwuchs", bzw einem erwachsenen, erfahrenen Tier und einem jungen Tier, das nicht für sich selbst sorgen kann. Hunde benehmen sich gegenüber Menschen wie Kinder gegenüber ihren Eltern. Ein Hund, kompetent sozialisiert und mit positiven Erfahrungen herangewachsen, akzeptiert diese formale Rangordnung praktisch von Beginn an. Die Unterordnung erfolgt freiwillig und selbstverständlich, denn der Hund hat gelernt, dass er diesen großen Zweibeinern vertrauen kann, dass sie sich um ihn kümmern.

    Wenn wir also von einer Rangordnung zwischen Menschen und Hunden sprechen, dann sprechen wir von einer freiwilligen Unterordnung des Hundes, weil er uns vertraut - nicht weil er uns fürchtet. Ein Rudelführer ist, wem vertraut werden kann. Ein Rudelführer, so wie Hunde ihn als solchen verstehen, setzt seine Interessen nicht willkürlich dominant durch. Dominanz als körperliche Überlegenheit, oder Dominanz, die durch die rigorose Ressourcenkontrolle und die Androhung des Entzugs dieser entsteht, oder durch gezielte Manipulation, ist ein Sozialkonstrukt des Menschen (sowie anderen Primaten und noch einigen anderen Tierarten - aber der Hund gehört nicht dazu, obwohl es situativ durchaus zu diesem Verhalten kommen kann und es situativ auch normal ist). Unter Menschen (und Primaten) führt meist der körperlich Stärkste oder der Schlauste, der am besten manipulieren kann. Interessen werden aggressiv-dominant durchgesetzt. Auch heute noch gibt es viel zu viele Menschen, die ihren Nachwuchs bedrohen, ihn sogar schlagen oder ihm Ressourcen entziehen. Es "regiert", wer sich durchsetzen kann (das sieht man auch auf dem Arbeitsmarkt). Konflikte werden oft mit Gewalt gelöst, Respekt wird sich durch Furcht erarbeitet. DAS ist der Mensch. Der Hund, ist es nicht. Seine soziale Welt funktioniert nicht so, zumindest nicht in der Basis.

    Die formale Rangordnung, die es zu erarbeiten gilt, ist eine auf Vertrauen basierende Rangordnung, die nicht aggressiv durchgesetzt wird. Im Idealfall muss man sich diese nicht einmal erarbeiten, denn der Hund bringt als Welpe diese Voraussetzungen meist ganz von alleine mit. Hunde, die schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, oder durch zu wenig Unterstützung seitens des Menschen dazu gezwungen waren, selbst all die Pflichten des "Rudelführers" zu übernehmen, müssen erst wieder lernen, dem Menschen zu vertrauen, Verantwortung abzugeben. Das muss liebevoll und ohne Zwang geschehen - Vertrauen kann man nicht erzwingen!
    Unabhängig von dieser Rangordnung gibt es noch eine situative Rangordnung, meist das Ergebnis situativer Dominanz. Sie tangiert die formale Rangordnung normalerweise nicht, sondern ist abhängig von Situation und Individuum. Ein Hund, der in einer bestimmten Situation aktiv-aggressiv oder passiv-aggressiv seine Interessen durchsetzt, hat nicht zwangsläufig sein Vertrauen verloren oder erkennt die "Autorität" des Menschen nicht mehr an. Nur in dieser Situation kommuniziert er klar seine eigenen Interessen. Das ist völlig okay, auch Hunde haben Bedürfnisse und Grenzen und sie haben einen eigenen Willen. Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, dem Hund auch mal Zugeständnisse zu machen. Auch in einer Hundegruppe selbst kommt es zu Fällen, in der rangniedrigere Tiere eine Situation kontrollieren oder klar deutlich machen, dass ihnen etwas missfällt - und es wird von oben akzeptiert. Das ist sogar sehr wichtig, denn die Bedürfnisse wahr- und ernstzunehmen ist unter anderem eine Pflicht des Rudelsführers. Wer die Kommunikationssignale seines Schützlings ständig ignoriert, schürt Frust und negative Gefühle. Nur in sehr wenigen Fällen wird der Rudelführer seine Entscheidungen vehement und ohne Diskussion durchsetzen, nämlich dann, wenn es das Wohl aller betrifft oder eine Situation zustande kommt, in der ein Machtwort gesprochen werden muss, um Ruhe und Frieden zu bewahren, aber ohne das Vertrauen seiner Schützlinge zu missbrauchen. Wenn ein Mitglied sich oder die Gruppe durch ein Verhalten in große Gefahr bringt, dann ist es völlig okay, die "Rudelführerkarte" auszuspielen und sich durchzusetzen. Abgesehen davon leben Hunde aber nicht in einer Diktatur und wir Menschen sollten innerhalb unserer Familien ebenfalls nicht in einer leben.

    Wenn wir Kinder haben, leben wir in der Regel in Verhältnissen, die für jeden von Anfang an klar sind. Wir Eltern wissen, dass wir Verantwortung haben, wir nehmen unsere Pflichten wahr. Das Kind weiß, dass es den Eltern vertrauen kann - es stellt ihre Autorität gar nicht erst infrage. Das passiert nur bei fragwürdigen Entscheidungen der Eltern, wo das Kind sich in seinen Interessen und Bedürfnissen übergangen fühlt. Wir als Eltern besitzen von Natur aus Autorität, es ist nicht nötig, dem Kind das alle Nase lang klarzumachen, es weiß Bescheid. Wir haben Regeln, die wir einhalten und von denen wir auch verlangen, dass diese eingehalten werden. Innerhalb dieser Regeln jedoch darf sich unser Kind auch frei entfalten. Es darf sagen, wenn ihm was nicht passt und manchmal geben wir auch nach, ohne dass wir gleich Angst haben, dass das Kind dadurch größenwahnsinnig wird und eines Tages einen Thron aus Kissen baut und von oben mit geschüttelter Rassel und einem fiesen Gesichtsausdruck auf uns heruntergrinst. So und nicht anders geschieht es auch in Hunde- und Wolfsfamilien. Kommst du deinen Pflichten nach, ist es nicht nötig, irgendeine Rangordnung zu klären. Die kommt von ganz allein.

    Wenn ich also sage "Bei euch ist die Rangordnung nicht geklärt", meine ich nicht, dass der Hund nicht weiß, wer der Chef ist und man ihm das mal zeigen muss. Ich meine damit, dass kein gutes Vertrauensverhältnis herrscht und die natürliche, aus Vertrauen geborene Rangordnung, nicht oder nur lückenhaft besteht. Der Hund sieht den Menschen als Sozialpartner, er ist das einzige Tier, das dies tatsächlich kann. Zu viele machen sich beim Thema Rangordnung und Rudelführung Gedanken um Kontrolle. Alles will man kontrollieren, man hat so große Angst vor diesem Kontrollverlust, dass man sich sogar dort aggressiv durchsetzt, wo es gar nicht nötig ist. Für den Mensch beginnt die oberste Spitze der Rangordnung mit Macht und Rechten. Wer oben steht, hat die meiste Macht und die meisten Rechte. Bei Hunden beginnt die Rangordnung mit dem, der die meisten Pflichten hat. Willkürlich zusammengewürfelte Hundegruppen bilden auch in den seltensten Fällen ein richtiges Rudel - sie leben ja nicht zusammen, sondern treffen sich alle paar Tage mal auf der Wiese und da kracht es natürlich meist ein wenig mehr, als es unter natürlichen Umständen der Fall wäre. Hunde und Menschen bilden kein Rudel, ich finde s aber okay, dieses Wort zu gebrauchen, wenn man damit eine Sozialgemeinschaft/Familie meint. Es ist auch okay, von einer Rangordnung zu sprechen, sofern man sich klarmacht, dass die Rangordnung nichts mit Macht zu tun hat, sondern mit Pflichten, die es zu erfüllen gilt. Man darf meiner Meinung nach auch gerne von sich als "Rudelführer" sprechen, solange man weiß, dass ein Hund kein Idiot ist und dieser weiß, dass der Mensch ein Mensch und kein Hund ist und dass ein Rudelführer jemand ist, der Vertrauen genießt, wie eine Mutter oder ein Vater, und niemand, der mit eiserner Hand lediglich seine eigenen Interessen durchsetzt.
     
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