Positive Verstärkung - und ihre Grenzen ? !

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Hallo,

ich möchte mal ein Thema diskutieren, was sicherlich nicht einfach ist.

Eines vorweg: Ich bin grundsätzlich GEGEN Gewalt im Hundetraining und ein großer Fan von positiven Mitteln.
Daher begrüße ich auch den allgemeinen Wandel hin zur positiver Erziehung und hoffe, dass dieser irgendwann auch in den letzten veralteten Winkeln ankommt.
Ich begrüße auch Bewegungen wie "Trainieren statt Dominieren" oder " Tauschen Stachelhalsband gegen Erziehung" oder oder oder

Dennoch:

Ich beobachte einen Trend zum anderen Extrem mit wachsender Sorge. Positive Verstärkung um jeden Preis. Jede sanfte Korrektur wird als Gewalt dargestellt. Der gesunde Mittelweg fehlt mir.

Ein Beispiel:
Ich habe mir mal mit einer Hundetrainerin über positive Verstärkung unterhalten. (ziemlich bekannte Hundeschule) Während dieses Gespräches riet sie mir, einen fremden Hund ohne Besitzer und Leine, welcher sich mir bzw, meinem Hund im Freilauf bedrohlich nähert mit Leckerchen abzulenken.

Jedem, der nur einen Funken Verstand hat, muss klar sein, dass das ein vollkommen idiotischer (leider kann man es nicht anders bewerten) Rat ist.
Was ich damit sagen will: Ich finde, positive Verstärkung hat auch ihre Grenzen. Leider geht der Trend leider dort hin, diese nicht mehr zu erkennen.

Wie denkt ihr darüber?
 
Erster Hund
Kein Hund
Denke ich auch so. Es gibt auch einfach Hunde, die mal angestupst oder angerempelt werden müssen, damit irgendwas durchdringt. Aber sowas würde bei manchen auch wieder unter "Gewalt" fallen? Ich meine man kann körperlich mit dem Hund werden. Natürlich meine ich damit nicht Schlagen, Treten oder Würgen....

Es muss halt alles Situationsbedingt eingeschätzt werden. Und der Hundecharakter sollte natürlich keinen Schaden nehmen.
Bei der von dir geschilderten Situaton..da würde ich mich schütztend vor meinen Hund stellen und versuchen den Fremdling zu vertreiben...solange er mich dann nicht fressen will ^^ Aber solch ähnliche Situationen werden schon viele gemacht haben.

Hoffe ich konnte mich verständlich ausdrücken...
 
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Ja, ich weiß was Du meinst ;)
Sehe ich, grob zusammengefasst, auch so.

Erschreckend fand ich in dem Fall tatsächlich, dass eine Trainerin solche Ratschläge gibt. . .
 
Erster Hund
Fiete / Labrador *2012
Warum wundert dich das, dass eine Trainerin den Tipp gab?
Wenn ich möchte, darf ich mich auch Trainerin schimpfen und weiß dadurch trotzdem vieles nicht. Und so wird es auch sein. Was meinste, wie viele Hundeschulen ich mir ansah, bei denen die Methoden mir die Haare sträubten? Das sind auch alles 'Trainer' und dennoch nicht allwissend.
Ich meine mal gelesen zu haben, dass es auch hier Hundehalter gibt, die in solchen Fällen schon diese Methode angewandt haben. Wenn sie den Hund nicht vertreiben konnten - ne Hand voll Leckerchen schmeißen und selber zusehen, dass man sich aus dem Staub macht. Klappt nicht bei allen Hunden, bei manchen vielleicht schon.
Ich finde es ebenso erschreckend, was mittlerweile alles sofort als Gewalt abgestempelt wird von überzeugten Positivverstärkern. Wenn mein Hund einen anderen fixieren will und er auf meine Ansprache nicht reagiert, ticke ich ihn auch schonmal an und hole ihn daraus - andere sehen das direkt als Gewalt.

Ich persönlich sehe unter Gewalt ständiges unnötiges Gängeln, schlagen, treten, Stachler und Co., aber nicht, wenn jemand seinen Hund mal antickt, weil dieser gerade auf Durchzug schaltet oder sich unhöflich verhält. Ich habe meinen Hund auch schon weggeschubst, in meinen Augen zurecht, in vielen anderen Augen habe ich ihm damit vermutlich schlimme Qualen angetan.
Ich arbeite auch generell gerne positiv, aber nicht, wenn ich in manchen Situationen dafür Ignoranz meines Hundes ernte. Ich habe erst letzte Woche eine Frau mit Aussie getroffen, die furchtbar hektisch wurde, als mein Hund und ich ihr entgegen kamen und sie wie wild versuchte, den Hund mit Leckerchen und Spielzeug von uns abzulenken. Der Hund hat sie und ihre Mittelchen keines Blickes gewürdigt, sondern fixierte meinen Fiete und ging schon in Duckposition. Da bin ich ehrlich - da würde ich mich nicht so zum Clown machen wie sie es vor ihrem Hund getan hat...
Und wenn ich sehe, wie Hunde manchmal untereinander sind, da wird gedroht, da wird geschnappt, wenn die Drohung keine Wirkung zeigte, da bin ich mir fast sicher, dass ich meinen Hund in kein Trauma stürze, wenn ich auch mal (angemessen) körperlich mit ihm werde. Das ist natürlich von Hund zu Hund unterschiedlich....
 
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Es freut mich, dass es Menschen gibt, die es noch ähnlich sehen. Ich habe mich innerlich schon auf ein Donnerwetter eingestellt...
 
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Cordt

Glaubst du ein auf Krawall gebürsteter Hund der deinen Hund an den Kragen möchte, nimmt Leckerlies aus deiner Hand und vergisst es?
;) Ich glaube nicht ^^
 
Erster Hund
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Schäferhund
Warum? :nachdenklich1:
Ich kann mir eigentlich nicht denken, dass die Nachfrage ernst gemein ist, aber gern versuche ich zu diesem konkreten Fall MEINE Sichtweise darzulegen. :)

Mal vollkommen abgesehen davon, dass es Hunde gibt, die schlicht und ergreifend kein Futter in solchen Situationen nehmen, birgt das viele Gefahren:

- unbekannt ob fremder Hund Allergien hat
- massive Gefahr von Futteraggression und Eskalation der Situation, selbst wenn der eigene Hund NICHT futterneidisch ist
- Verstärkung des Verhaltens des fremden Hundes
- etc etc etc

Das eigentlich Problem ist, dass die Trainerin den HH mit einem Mittel in die Welt schickt, dass i.d.R. NICHT funktionieren wird und auch noch zusätzliche GEfahren bringt - für einen unerfahrenen Hundehalter. Unverantwortlicher Rat in meinen Augen.
 
Ich sehe das ganz genauso wie du und beobachte die (Ich nenne sie gern so) Antiautoritäre Leckerchen Intravenös Erziehung.. Kurz: ALIE ^^

Der Hang von Gewalt in der Hundeerziehung weg zu kommen ist ja an sich löblich, wenn auch, dies übertrieben wird. Denn was für uns erst einmal Gewalt darstellt (Und selbst da könnten wir uns in Grund und Boden streiten) ist für den Hund vielleicht noch lange nicht so zu verstehen.
Hund verwenden Gewalt im Sinne von, rück bloß nicht an der Leine, viel häufiger untereinander an, um sich gegenseitig Grenzen auf zu zeigen, als diese Fraktion der "übertriebenen" Hundeerziehung, sich selbst je eingestehen würde.

Ich denke man sollte sich viel mehr Zeit nehmen und die Hunde untereinander beobachten, sie nicht willentlich fehl zu interpretieren und sein Verhalten wenigstens im Ansatz anpassen.

Ich wählte für mich ein Mittelweg. So werde ich von der einerseits belächelt ob meiner "Hingabe" und von anderen beschimpft als Tierquäler. Ich meine, ich werde ja schon als Tierquäler beschimpft weil ich meinem Hund nicht erlaube zu anderen Menschen zu gehen (ohne mein Einverständnis). Ich hab da schon einiges durch, was man so erleben darf.

Ich kann aber recht gut damit leben, denn so bin ich wenigstens in der Lage entspannt mit meinem Hund irgendwohin zu gehen ohne 1000-mal an der Leine zu rücken oder aber mit irgendwelchen Leckerchen zu wedeln.
 
Erster Hund
Cordt RHT *08.11.09
Cordt

Glaubst du ein auf Krawall gebürsteter Hund der deinen Hund an den Kragen möchte, nimmt Leckerlies aus deiner Hand und vergisst es?
;) Ich glaube nicht ^^
Die Frage ist doch was bedeutet "auf Krawall gebürstet"? Wo fängt das an, schon ein Hütehund der auf seine typische Art den Gegenüber fixiert, könnte man als "auf Krawall gebürstet" einstufen, oder nicht?

Und wenn Hunde so sind, dann sind sie in der Regel keine besonders sicheren Kandidaten. Ich stelle mir also einen unsicheren lauten Hund vor, der ne Handvoll Leckerlies entgegen geworfen bekommt. Vielleicht landen zwei auf seiner Nase oder am Kopf und dann kommt zu dem "Kontakt" noch der Geruch dazu, um das nicht wahrzunehmen muss ein Hund komplett weggeschaltet haben. Und mal ganz ehrlich, so komplett weggetretende Hunde begegnen einem kaum und wenn, ist die Frage, wie weit komme ich da mit Körperblock, getrampelt oder was ich auch immer, ich wurde schon umrundet, nur damit der Gegenüber sein Ziel erreicht, das geht sehr schnell, wenn man auch noch den eigenen Hund händeln muss.

Und dann habe ich die Erfahrung machen müssen, das Hundehalter sich will mehr darüber ärgern, wenn man ihre Hunde füttert und meist auch viel schneller zur Stelle sind. Wer auf "sind Sie bitte so freundlich und rufen ihren Hund zurück" nicht reagiert ist sehr schnell, wenn man direkt durch Fütterung in dessen "Erziehung" eingreift.

Und nein, wenn ich Gefahr für die Unversehrtheit meines Hundes oder auch meine eigene sehen würden, würde auch ich keine Leckerlies werfen und leider gelingt es mir auch nicht so oft wie ich es gerne machen würde, weil man oft genug schneller Handeln muss als man Denken kann und es auch für mich schwer "alte Hüte" abzulegen.
 



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